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Magdeburg: Kinderwunschpraxis lagert Eizellen
Nach Krebstherapie Chance auf Kind sichern



Magdeburg. Frauen und Männer, die durch eine Krebsbehandlung meist unfruchtbar werden, können sich vor einer geplanten Chemotherapie oder Bestrahlung die spätere Chance auf ein Kind sichern. Das Magdeburger Kinderwunschzentrum, das ungewollt kinderlosen Paaren mit künstlicher Befruchtung zu einem Kind verhilft, bietet als erste ambulante Praxis in Sachsen-Anhalt jetzt auch die Einlagerung von Eizellen und Samen an.

Nach erfolgreicher Behandlung können die Patienten dann auf das bei minus 196 Grad Celsius in flüssigem Stickstoff gelagerte Material zurückgreifen und sich durch eine künstliche Befruchtung ihren Kinderwunsch erfüllen. " Viele Ärzte und Patienten wissen gar nicht um diese Möglichkeit ", erklärten die beiden Inhaberinnen, Dr. Ingrid Nickel und Dr. Evelyn Richter. Während bei Männern die Konservierung von Sperma ein seit Jahren etabliertes Verfahren ist, gibt es für Frauen erst seit wenigen Jahren effektive Techniken.

Vor Chemotherapie an Kinderwunsch denken

Vor allem Frauen, die im fortpflanzungsfähigen Alter an Blutkrebs, Lymphdrüsenkrebs und Brustkrebs erkranken, haben heute gute Überlebenschancen. Durch Chemo- und Strahlentherapie aber werden in vielen Fällen die Eierstöcke der Patientinnen so geschädigt, dass sie unfruchtbar werden. Sie haben nach ihrer Gesundung keine Chance mehr, ein eigenes Kind zu bekommen.

Die beiden Gynäkologinnen raten deshalb, sich vor einer Krebsbehandlung über die bestehenden Möglichkeiten zu informieren. Oftmals werde über die Option einer Konservierung von Eizellen und Eierstockgeweben nach der schockierenden Diagnose Krebs nicht nachgedacht. Für viele Patientinnen sei es aber psychologisch hilfreich, über die Zeit nach erfolgreich überstandenem Krebs nachzudenken. Sie wiesen darauf hin, dass wegen des vierwöchigen Zyklusses der Frau nur ein kurzes Zeitfenster zur Eizellenentnahme zwischen Krebsdiagnose und folgender Behandlung bestünde.

Gesetzliche Kassen zahlen nicht

Prinzipiell gibt es mehrere Möglichkeiten: So wird Paaren die Kryokonservierung befruchteter Eizellen empfohlen. Bei alleinstehenden Frauen werden mehrere Eizellen als " Reservedepot " kältekonserviert. Die letzte Möglichkeit ist auch die Entnahme von Eierstockgewebe durch eine Bauchspiegelung, das später wieder eingesetzt wird. Dazu arbeitet die Praxis mit dem Magdeburger Krankenhaus St. Marienstift zusammen. Ingrid Nickel: " Die Möglichkeit der Konservierung sollten die betroffenen Frauen nicht verschenken. " Zugleich räumte sie ein, dass sich vor allem letzteres Verfahren noch im experimentellen Stadium befi ndet. Bei einer 34-jährigen Krebspatientin sei dieses Verfahren in Kooperation mit der Magdeburger Klinik St. Marienstift bereits angewendet worden.

Die sogenannte Kryokonservierung wird von den gesetzlichen Krankenkassen allerdings nicht gezahlt. Die Kosten sind nicht ganz unerheblich: Für das Einfrieren eines Spermadepots schlagen Kosten zwischen 250 bis 500 Euro, für befruchtete bzw. unbefruchtete Eizellen einschließlich einer Hormonbehandlung zwischen 2000 und 4000 Euro sowie von Eierstockgewebe von 150 bis 500 Euro zu Buche. Die Lagerkosten betragen rund 200 Euro im Jahr.

Die Magdeburger Praxis gehört dem 1996 gegründeten Netzwerk Fertiprotect an, das den Mitgliedern strenge Beratungs- und Therapiestandardas vorschreibt. www.fertiprotect.de



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Dokument erstellt am 02.07.2008 um 06:00:40 Uhr
Erscheinungsdatum 02.07.2008 | Ausgabe: mdx