URL: http://www.volksstimme.de/vsm/nachrichten/sachsen_anhalt/?em_cnt=1087074
Magdeburg: Kinderwunschpraxis lagert Eizellen
Nach Krebstherapie Chance auf Kind sichern

Magdeburg. Frauen und Männer, die durch eine Krebsbehandlung meist
unfruchtbar werden, können sich vor einer geplanten Chemotherapie oder
Bestrahlung die spätere Chance auf ein Kind sichern. Das Magdeburger
Kinderwunschzentrum, das ungewollt kinderlosen Paaren mit künstlicher
Befruchtung zu einem Kind verhilft, bietet als erste ambulante Praxis
in Sachsen-Anhalt jetzt auch die Einlagerung von Eizellen und Samen an.
Nach
erfolgreicher Behandlung können die Patienten dann auf das bei minus
196 Grad Celsius in flüssigem Stickstoff gelagerte Material
zurückgreifen und sich durch eine künstliche Befruchtung ihren
Kinderwunsch erfüllen. " Viele Ärzte und Patienten wissen gar nicht um
diese Möglichkeit ", erklärten die beiden Inhaberinnen, Dr. Ingrid
Nickel und Dr. Evelyn Richter. Während bei Männern die Konservierung
von Sperma ein seit Jahren etabliertes Verfahren ist, gibt es für
Frauen erst seit wenigen Jahren effektive Techniken.
Vor Chemotherapie an Kinderwunsch denken
Vor
allem Frauen, die im fortpflanzungsfähigen Alter an Blutkrebs,
Lymphdrüsenkrebs und Brustkrebs erkranken, haben heute gute
Überlebenschancen. Durch Chemo- und Strahlentherapie aber werden in
vielen Fällen die Eierstöcke der Patientinnen so geschädigt, dass sie
unfruchtbar werden. Sie haben nach ihrer Gesundung keine Chance mehr,
ein eigenes Kind zu bekommen.
Die
beiden Gynäkologinnen raten deshalb, sich vor einer Krebsbehandlung
über die bestehenden Möglichkeiten zu informieren. Oftmals werde über
die Option einer Konservierung von Eizellen und Eierstockgeweben nach
der schockierenden Diagnose Krebs nicht nachgedacht. Für viele
Patientinnen sei es aber psychologisch hilfreich, über die Zeit nach
erfolgreich überstandenem Krebs nachzudenken. Sie wiesen darauf hin,
dass wegen des vierwöchigen Zyklusses der Frau nur ein kurzes
Zeitfenster zur Eizellenentnahme zwischen Krebsdiagnose und folgender
Behandlung bestünde.
Gesetzliche Kassen zahlen nicht
Prinzipiell
gibt es mehrere Möglichkeiten: So wird Paaren die Kryokonservierung
befruchteter Eizellen empfohlen. Bei alleinstehenden Frauen werden
mehrere Eizellen als " Reservedepot " kältekonserviert. Die letzte
Möglichkeit ist auch die Entnahme von Eierstockgewebe durch eine
Bauchspiegelung, das später wieder eingesetzt wird. Dazu arbeitet die
Praxis mit dem Magdeburger Krankenhaus St. Marienstift zusammen. Ingrid
Nickel: " Die Möglichkeit der Konservierung sollten die betroffenen
Frauen nicht verschenken. " Zugleich räumte sie ein, dass sich vor
allem letzteres Verfahren noch im experimentellen Stadium befi ndet.
Bei einer 34-jährigen Krebspatientin sei dieses Verfahren in
Kooperation mit der Magdeburger Klinik St. Marienstift bereits
angewendet worden.
Die sogenannte Kryokonservierung wird von
den gesetzlichen Krankenkassen allerdings nicht gezahlt. Die Kosten
sind nicht ganz unerheblich: Für das Einfrieren eines Spermadepots
schlagen Kosten zwischen 250 bis 500 Euro, für befruchtete bzw.
unbefruchtete Eizellen einschließlich einer Hormonbehandlung zwischen
2000 und 4000 Euro sowie von Eierstockgewebe von 150 bis 500 Euro zu
Buche. Die Lagerkosten betragen rund 200 Euro im Jahr.
Die
Magdeburger Praxis gehört dem 1996 gegründeten Netzwerk Fertiprotect
an, das den Mitgliedern strenge Beratungs- und Therapiestandardas
vorschreibt.
www.fertiprotect.de
[ document info ]
Copyright © Volksstimme.de 2008
Dokument erstellt am 02.07.2008 um 06:00:40 Uhr
Erscheinungsdatum 02.07.2008 | Ausgabe: mdx
